Schmale Windelschnecke
Eine FFH-Anhang-II-Leitart, nur wenige Millimeter groß. Sie braucht kalkreiche Feuchtbiotope — die Seggenrieder und Feuchtbrachen rund um den Bach gehören zu ihren wenigen Vorkommen in Südhessen.
Schmale Windelschnecke ansehenDer Darmbach gibt dem Schutzgebiet seinen Namen — der Darmbachaue ebenso wie dem FFH-Gebiet Dommersberg, Dachsberg und Darmbachaue von Darmstadt. Auf rund 30 Kilometern führt er von seinem Quellgebiet im Darmstädter Ostwald als Nebenbach des Landgrabens bis in die Rheinebene. Sein naturnaher Oberlauf zieht durch unser Gebiet nach Nordosten Richtung Stadt und bildet mit etwa 170 m ü. NN dessen tiefste Stelle. In der Innenstadt verschwindet derselbe Bach dagegen weitgehend unter der Erde — eine Bürgerinitiative arbeitet seit Jahren an seiner Offenlegung. Diese Seite zeigt den naturnahen Teil: woher das Wasser kommt, welche Lebensräume daran hängen und was ihn gefährdet.
Im Gelände markiert die gefasste Darmquelle mit dem Gedenkstein „Darmquelle 1937" symbolisch den Ursprung; das eigentliche hydrologische Quellgebiet liegt darüber hinaus außerhalb des Schutzgebiets im Ostwald. Von dort nimmt der Bach mehrere Zuflüsse auf und durchquert die wechselfeuchten Waldwiesen der Aue. Die Karte zeigt den erfassten Bachlauf sowie die gefassten Waldquellen und Teiche, die zum Gewässersystem gehören. Wer dem Bach von der Stadt aus folgen möchte: Der Ostparkweg begleitet den Darmbach von der Innenstadt durchgehend bis zur Darmquelle.
Bachlauf nach eigener Begehung und OpenStreetMap. Markiert sind nur die Quellen und Teiche, die zum Darmbach-Gewässersystem gehören — jeder Marker ist mit seiner Detailseite verlinkt. Das zuschaltbare Reliefmodell (Schummerung + feines blaues Liniennetz) ist aus dem 1-m-Geländemodell abgeleitet: Es zeigt, wohin Wasser dem Gelände nach abfließt — ein topografisches Modell, kein Abfluss- oder Pegelmodell. Bemerkenswert: Diese rein aus der Geländehöhe berechneten Rinnen treffen jede der erfassten Quellen (Darmquelle, Eleonoren-, Wilbrand-, Alberts-, Kahlert-Brunnen) auf wenige Meter genau — eine unabhängige Bestätigung, dass sie tatsächlich zum Darmbach entwässern.
Der Darmbach lebt von vielen kleinen Zuflüssen statt von einer großen Quelle. Er entspringt rund 300 m südwestlich des Stellkopfs (Ober-Ramstädter Gemarkung), speist zuerst den Oberjägermeisterteich, dann die fünf Fischteiche an der Fischerhütte am Schnampelweg.
In den Bachlauf münden mehrere Waldbäche (Reihenfolge nach Wikipedia): von rechts der Waldbach vom Kahlertbrunnen im ersten Fischteich, von links der Waldbach vom Dachsberg — mit den Nebenzuflüssen vom Steinbuckel (läuft am Eleonoren-Brunnen vorbei) und dem vom Wilbrand-Brunnen gespeisten Bach —, schließlich gegenüber der Breitwiese ein weiterer Waldbach samt dem Waldbach vom Eisenweg. Diese Ostwald-Zuflüsse sind sämtlich namenlos; benannt ist allein der Schnampelbach, der sich von Süden unterhalb der Franzosenwiese mit dem Darmbach vereinigt (FFH-Gutachten 2005). Der Goetheteich im Westteil (vom Goethebrunnen gestaut) gehört nicht dazu — er entwässert nach Nordwesten in ein anderes System.
Erstaunlich wenig Fläche: Die FFH-Grunddatenerfassung 2005 kartierte auf den rund 318 Hektar des Gebiets nur 0,23 % Wasserfläche. Trotzdem hängt daran ein überproportionaler Teil der Artenvielfalt.
| Gewässertyp | Fläche |
|---|---|
| Flachlandbäche (Darmbach & Zuflüsse) | 5.404 m² |
| Teiche (Fischteiche, Goetheteich) | 1.453 m² |
| Temporäre Gewässer & Tümpel | 455 m² |
| Ungefasste Quellen | 8 m² |
| Gefasste Quellen | 2 m² |
Den Bach begleitet ein Band aus Erlen-Eschen-Auenwald — der LRT *91E0. Das Sternchen heißt: Die EU stuft ihn als prioritär ein, also besonders schützenswert. Im Gebiet bedeckt er rund 9,6 Hektar (Erhaltungszustand B) und besteht überwiegend aus Schwarzerlen; die namengebende Esche tritt nur untergeordnet auf, dafür typische Begleiter wie die Winkel-Segge (Carex remota). Im feuchten Unterwuchs wachsen Rote-Liste-Arten wie der Sumpf-Lappenfarn (Thelypteris palustris), Rispen- und Ufer-Segge; in der Franzosenwiese hält sich ein Bestand des Torfmooses Sphagnum palustre.
Das kalkhaltige Wasser und die nassen Seggenrieder machen die Aue zum Lebensraum für Arten, die anderswo selten geworden sind.
Eine FFH-Anhang-II-Leitart, nur wenige Millimeter groß. Sie braucht kalkreiche Feuchtbiotope — die Seggenrieder und Feuchtbrachen rund um den Bach gehören zu ihren wenigen Vorkommen in Südhessen.
Schmale Windelschnecke ansehenEin auffällig gezeichneter Falter (FFH-Anhang II), der blütenreiche Säume und feuchte Waldränder der Bachaue nutzt.
Spanische Flagge ansehenFeuersalamander, Berg-, Teich- und Grasmolch, Teichfrosch und Erdkröte laichen in den Tümpeln der Steckertswiese und in Bachkolken — der Goetheteich ist durch Freizeitdruck dagegen kaum nutzbar.
Eisvogel, Wasserralle und Flussregenpfeifer wurden akustisch nur vereinzelt erfasst und liegen damit unter der Nachweis-Schwelle für eine eigene Tafel. Gezielte Messpunkte direkt am Bachufer könnten das ändern.
Arten unter der SchwelleDer Bach ist empfindlich. Mehrere Beeinträchtigungen sind dokumentiert:
Eine bürgerschaftliche Perspektive auf Pflege und Entwicklung des Gebiets bietet der NABU Kreisverband Darmstadt; für den verdolten Stadtbach setzt sich der Verein „Darmstadt am Darmbach" ein.
Eisvogel im Anflug, ein Salamander nach dem Regen, der Bach bei Hochwasser — solche Beobachtungen helfen, das Bild der Aue zu vervollständigen.