FFH-Gebiet Dommersberg, Dachsberg und Darmbachaue — im Aufbau — das Projekt befindet sich in der Entwicklung, Inhalte werden laufend ergänzt. Mitmachen

Über das Naturportal

Das Naturportal macht das FFH-Gebiet Dommersberg–Dachsberg–Darmbachaue öffentlich zugänglich: akustisches Vogel-Monitoring mit BirdNET, eine Wissensbasis zum Schutzgebiet, Klima-Daten, Porträts der Darmstädter Altbäume und ein Mitmach-Angebot für eigene Naturbeobachtungen. Ziel ist eine wissenschaftlich belastbare, offen einsehbare Grundlage für Bildungsarbeit, Naturschutz und Biodiversitäts-Monitoring.

Trägerschaft und Kooperation

SoniTrace betreibt das Naturportal aktuell als Pilot. Im Frühjahr 2026 lief die erste Mess-Saison, für den Sommer ist eine zweite geplant — anschließend möchten wir periodisch nachmessen. Perspektivisch, falls sich Partner finden, wären dauerhafte Messstationen im Gebiet und Infotafeln vor Ort wünschenswert. Die Tafeln gibt es bislang nur als Test-Drucke; auf der Webseite siehst du, wie sie aussehen würden.

Wir suchen Partner, die das Projekt mittragen oder weiterentwickeln: eine kommunale Trägerschaft, einen Naturschutzverband oder eine wissenschaftliche Begleitung. Über lockere Gespräche, Ideen und Anfragen freuen wir uns gleichermaßen.

Betrieb & Entwicklung

SoniTrace

Aufnahmegeräte, Analyse-Pipeline, Webseite, Tafel-Entwürfe

Kommunale Trägerschaft

offen

Aufnahmeflächen, langfristiger Unterhalt, Einbindung in lokale Bildungs- und Naturschutzarbeit

Wissenschaftliche Begleitung

offen

Fachliche Beratung, Dateninterpretation, wissenschaftliche Nachnutzung

Interesse an einer Kooperation? Wir freuen uns über Anfragen — von Kommunen und Verbänden bis hin zu Hochschulen, Schulen, Vereinen und engagierten Einzelpersonen. Auch unverbindliche Gespräche und Ideen sind willkommen.

Kooperation anfragen

Methodik

Aufnahmegeräte

Erfasst wird mit FlyBi Mobile, dem Messsystem von SoniTrace. Die Geräte laufen akkubetrieben über Powerbank, eine Aufnahmesession dauert zwischen 24 und 30 Stunden. Platziert werden die Rekorder sowohl am Boden als auch in den Bäumen, um möglichst unterschiedliche Höhenstrata des Waldes akustisch abzudecken.

Analyse-Pipeline

Jedes aufgenommene 3-Sekunden-Segment wird direkt im Gerät analysiert, auf Grundlage von BirdNET — einem an der Cornell University entwickelten Deep-Learning-Klassifikator zur automatischen Vogelstimmen-Erkennung (Kahl et al. 2021, doi:10.1016/j.ecoinf.2021.101236).

Ein Segment wird nur dann in die Datenbank aufgenommen, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

Damit erreichen wir einen hohen Qualitätsstandard bereits auf Geräte-Ebene. In die spätere Auswertung kommen also nur Treffer, die zwei eigenständige Filter passiert haben.

Zweite Filterstufe für die Infotafeln

Für die 21 Arten auf den Infotafeln setzen wir eine weitere Schwelle: mindestens 25 Detektionen über den gesamten Messzeitraum. Einzelne Treffer können echte seltene Gäste sein oder BirdNET-Artefakte — ohne manuelle Nachprüfung lassen sie sich im Einzelfall nicht trennen. Die vollständige Liste aller weiteren detektierten Arten findet sich im Datenviewer unter der Nachweis-Schwelle.

Messzeitraum und Umfang

Die erste vollständige Messkampagne lief vom 2026-03-15 bis 2026-04-16 — rund einen Monat, abgestimmt auf die Phase des Heimzugs und des beginnenden Frühjahrsgesangs.

Messpunkte
17
Aufnahme-Sessions
18
Detektionen gesamt
14.176
Arten insgesamt
68

Bei durchschnittlich rund 27 Stunden pro Session ergibt das etwa 486 Aufnahmestunden an kontinuierlicher akustischer Beobachtung. Von den 68 erfassten Arten haben 21 die Nachweis-Schwelle von 25 Detektionen überschritten und sind auf den Infotafeln vertreten.

Glossar

Kurzerklärungen der Fachbegriffe, die auf der Site auftauchen. Markierte Begriffe im Text (gepunktete Unterstreichung) zeigen beim Tippen oder Hovern eine knappe Definition an; eine ausführliche Variante findet sich hier.

FFH-Gebiet
Schutzgebiet nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (1992). Ausgewiesen für bestimmte Lebensraumtypen und Arten, die EU-weit erhalten werden sollen. Bildet zusammen mit den Vogelschutzgebieten das Schutzgebiets-Netzwerk Natura 2000.
FFH-Anhang II
Liste der Tier- und Pflanzenarten, für deren Erhaltung die EU-Staaten besondere Schutzgebiete ausweisen müssen. Im Darmstädter FFH-Gebiet betrifft das u. a. Schmale Windelschnecke, Hirschkäfer und Spanische Flagge.
NSG
Naturschutzgebiet — rechtlich nach Bundesnaturschutzgesetz (§ 23 BNatSchG) festgesetzter Bereich mit strengeren Nutzungsbeschränkungen als das umgebende Landschaftsschutzgebiet. Das NSG „Darmbachaue von Darmstadt" (66,9 ha) liegt innerhalb des FFH-Gebiets als dessen Kernzone.
LRT (Lebensraumtyp)
Eine standardisierte EU-weite Klassifikation von Lebensräumen (FFH-Anhang I). Jeder LRT hat einen vierstelligen Code, einen definierten Schutzstatus und eine Liste charakteristischer Arten. Im Gebiet kommen fünf LRT vor — Hainsimsen- und Waldmeister-Buchenwald, Erlen-Eschen-Auenwald, Pfeifengras- und Magere Flachland-Mähwiese.
BirdNET
Deep-Learning-Klassifikator zur automatischen Erkennung von Vogelgesang, entwickelt an der Cornell University. Verarbeitet kontinuierliche Audio-Aufnahmen in 3-Sekunden-Segmenten und liefert pro Segment eine Liste möglicher Arten mit Wahrscheinlichkeitswerten. Wir nutzen ihn als Erst-Filter direkt auf den FlyBi-Geräten.
Detektion
Ein einzelner BirdNET-Treffer in einem 3-Sekunden-Audio-Segment, der die Confidence-Schwelle überschritten und den Plausibilitäts-Filter passiert hat. Wichtig: Detektionen sind keine Individuen — eine ausdauernd singende Amsel produziert in einer Stunde Dutzende Detektionen, ein einmal klopfender Specht nur eine.
Confidence
Vertrauenswert zwischen 0 und 1, den BirdNET seinem Klassifikations- Ergebnis zuweist. 0,7 = solide, 0,9 = sehr eindeutig. Wir nehmen nur Detektionen ab 0,7 in die Datenbank — das filtert Hintergrundgeräusche und unsichere Treffer zuverlässig heraus.
Shannon-Index
Maß für die Diversität einer Artgemeinschaft, das sowohl die Artenzahl als auch die Gleichverteilung berücksichtigt. Höhere Werte bedeuten artenreicher und gleichmäßiger verteilt; viele Arten mit einer einzigen dominanten Art ergeben einen niedrigeren Wert als wenige Arten in ausgewogener Balance.
Rarefaction
Eine Kurve, die zeigt, wie viele Arten man im Schnitt findet, wenn man eine bestimmte Zahl von Detektionen zieht. Steigt die Kurve gegen Ende noch, sind weitere Arten zu erwarten — flacht sie ab, ist die Erfassung weitgehend vollständig.

Quellen und weiterführende Informationen